Home Die Mühlen von Westkapelle

 

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Gleich zum Fotospecial (45 Fotos zur Geschichte und Gegenwart der Mühlen von Westkapelle)
 

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Die Silhouette von Westkapelle bestimmen heute 4 Gebäude:

  Der große Leuchtturm, der Turm der Kirche Moria (links im linken Bild), der Rathausturm (rechts im linken Bild) und ...

...die Mühle "De Noorman" in der heutigen Mitte des Ortes. (rechtes Bild)

...und leider auch die Windräder der Neuzeit am nordöstlichen Rand von Westkapelle.
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Die Kornmühle "De Noorman" (Der Normanne) war nicht die erste Mühle von Westkapelle. Auf einer Karte von ca. 1550 findet man eine Ständermühle in Nähe der Kirche. Der Turm dieser Kirche ist jetzt der Leuchtturm.
Diese hölzerne Windmühle war zur Hälfte im Besitz der Stadt, die andere Hälfte gehörte dem Bürgermeister von Westkapelle.
Im Nordwesten der Stadt gab es mehrere Wassermühlen.

Im Jahr 1773 wurde auf Kosten der Stadt und des Bürgermeisters eine steinerne Mühle auf dem Deich gebaut.
 Diese runde steinerne Mühle wurde im Volksmund die "Deichmühle" genannt, der offizielle Name war "Prins-Henrik-Molen" (Prinz-Heinrich-Mühle). Die Deichmühle war neben dem Leuchtturm über 150 Jahre ein Wahrzeichen von Westkapelle.
Seit Anfang des 20. Jh. wurde die Deichmühle immer wieder auf Postkarten abgebildet.

Das Foto rechts zeigt die Prins-Hendrik-Deichmühle im Jahre 1940. Rechts unterhalb der Mühle steht noch das alte Polderhuis.


Vom Typ her war die Deichmühle eine Erdholländermühler (
grondzeiler) (die Erläuterung der Mühlentypen siehe unten)

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de_roos Die Mühle "De Noorman" entstand im Jahre 1852 im Auftrag einer Fondsgesellschaft.
Sie wurde im Volksmund daher auch die "Fonds-Mühle" genannt.

Die Mühle "De Noorman"  ist ein "Galerieholländer" (stelling Molen)
(die Erläuterung der Mühlentypen siehe unten)

Als bekannt wurde, dass der Fonds eine Mühle bauen will, ließ ein anderer Einwohner von Westkapelle auch eine Mühle bauen. Das war die Mühle "De Roos". Auch sie entstand im Jahre 1852.
 Damit hatte Westkapelle drei große Mühlen.

Das Foto links zeigt die Mühle "De Roos" im Jahre 1905.
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Wo standen diese Mühlen?
 
Obwohl Westkapelle im Oktober 1944 fast völlig zerstört wurde, blieb die Grundstruktur des Ortskerns erhalten. Sie ist geprägt durch die beiden vom Leuchtturm zum Deich verlaufenen Straßenzüge "Zuidstraat" und " Noordstraat/Noordkerkepad" sowie einige Verbindungsstraßen. Im Polderhuis-Museum findet man eine Karte, in der die heutigen Straßenzüge über die Bebauung der 20er Jahre gelegt ist.  Man erkennt die einschneidenden Veränderungen durch den Deichdurchbruch 1944.  Wo früher noch "Land hinter dem Deich" war, ist heute der Badestrand von Westkapelle.  Das Bild rechts wurde vom Leuchtturm von einem Beobachtungsposten der Wehrmacht vor den Angriffen im Oktober 1944 aufgenommen. Vorne links am Deich erkennt man gut die Deichmühle.
Im Vordergrund, auf der rechten Seite der Zuidstraat, steht noch das große Gebäude der "Nederlands Hervormde Kerk", das völlig zerstört wurde. In der fünfziger Jahren hat man dafür unweit davon, am heutigen Markt, die Kirche Moria erbaut.
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stein Auf dem Deichweg, in der Nähe des Panzerdenkmals, erinnert ein Mühlstein der Prins-Hendrik-Molen an die Deichmühle. Die Karte zeigt, dass der damalige Standort weiter unten auf der heutigen Mole lag, wo früher noch der Deich verlief. stein
   
   
Bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg, am 3. Oktober 1944, wurde der größte Teil von Westkapelle zerstört, darunter auch die Mühlen "De Roos" und "Prins Hendrik".  Zitat aus der Seite zur Geschichte von Westkapelle:

Viele flüchteten in die Mühle De Roos, als das Bombardement begann. Die Mühle hatte Mauern von mehr als einem Meter Stärke, schwere Holzbalken und einen großen Keller. Das Bombardement dauerte mehr als zwei Stunden, alle Viertelstunde kamen neue Bombenangriffe. Die ersten Bomben trafen nicht nur den Deich, sondern auch einen Großteil des Dorfs. Die Mühle De Roos von der Familie Theune wurde schwer getroffen und stürzte ein. Manche Menschen im Keller waren auf der Stelle tot. Der Ausgang war versperrt durch den Schutt und den heruntergefallenen Mühlstein. Als nach einer Stunde das Wasser der Flut durch die im Deich entstandene Öffnung strömte, sind beinah alle Menschen, die sich in der Mühle befanden, ertrunken. Nur drei der siebenundvierzig Menschen (2 Erwachsene und ein Baby) wurden im letzten Moment aus dem Schutt gerettet.

Wie durch ein Wunder blieb der "Normanne" bestehen. Das Foto zeigt einen Blick vom Leuchtturm über das noch überflutete Westkapelle Anfang 1945. Die breite Straße links im Bild ist der Noordkerkepad.
Die Mühle "De Noorman" hat überlebt und steht auf dem Molenwal fast noch im Trocknen.


Die Kornmühle "De Noorman" ist die einzig erhaltene Mühle in Westkapelle.
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Zur Geschichte und Technik der Mühle "De Noorman"     Top
de-noormann Wie bereits oben erwähnt, entstand die Mühle "De Noorman" im Jahre 1852 im Auftrag einer Fondsgesellschaft.
Die Buchstaben F.T.H.V.J. in der Steinmauer neben dem Eingang, knapp über dem Boden, weisen noch darauf hin. Die Bedeutung der Abkürzung ist "Fonds zum Wohle von Jugendlichen". Diese Fonds wurde1825 auf Initiative von drei fünfzehnjährigen Jungen eingerichtet.
Die Mitglieder mussten zehn ein Cent pro Woche geben und konnten mitentscheiden, wie dieses Geld am besten "investiert" werden könnte. Der Fonds hatte das Ziel, Beschäftigung und Einkommen zu fördern und damit zum Wohlstand von Westkapelle beizutragen. Der Fonds handelte mit Torf und richtete eine Garnspinnerei und eine Leinenweberei ein. Im Jahre 1852 ließ der Fonds die Mühle "De Noorman"
bauen.
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Der Name "Noorman" ist verbunden mit der Legende, nach der die Urahnen der Westkapeller Bewohner die Wikinger sind.
Der Begriff „Normanne“ wird manchmal als Synonym für „Wikinger“ verwendet. Mehr zu den Begriffen Normannen, Nordmänner und Wikinger findet man in der Wikipedia unter Normannen.

Die Mühle muss früher zu Wohnzwecken eingerichtet gewesen sein. Die beiden großen Fenster im Erdgeschoss weisen darauf hin.

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In den Anfangsjahren war der "Normanne" sowohl Korn- als auch Schälmühle, denn im Dachgeschoss war früher ein Schälstein (pelsteen).
Die Peldemühle oder Schälmühle ist eine nach ihrem Verwendungszweck benannte Mühlenart zum Pelden, d. h. Schälen von Reis oder Gerste, um aus ihr Graupen zu gewinnen. Das niederdeutsche bzw. niederländische Verb pelden ist mit dem hochdeutschen Verb pellen verwandt, das dieselbe Bedeutung hat.
Schälmühlsteine  drehen rund 160 Mal pro Minute, während Kornmahlsteine nur 90 mal pro Minute drehen. Schälmühlen sind daher störanfälliger und gehen leichter zu Bruch.

Der Schälstein der Mühle "De Noorman" wurde durch einen Blitz in Stücke zerschlagen und seit dem wird der "Normanne" nur noch als Kornmühle verwendet . Im ersten Dachgeschoss sind an der Wand noch die Spuren der Tragbalken für den Schälstein vorhanden.

Das Foto zeigt das Dachgeschoß. (2008)
de-noorman Am 7. Februar 1974 beschloss der Gemeinderat von Westkapelle die Mühle "De Noorman" zu kaufen. Zum Erhalt der Kornmühle haben seit dem mehrere Restaurierungen stattgefunden.  Eine umfassende und umfangreiche Restaurierung erfolgte in vier Phasen in den Jahren 1983 bis 1987. Die Kosten beliefen sich auf 247.000 Gulden. Die Kornmühle "De Noorman" ist jetzt wieder voll betriebsfähig zum Kornmalen.
An Samstagen wird die Mühle oft in Betrieb genommen. Sie kann dann auch besichtigt werden. In der Mühle ist ein kleines Museum. Neben Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart sind verschiedene Werkzeuge ausgestellt.
   
Zahlen und Fakten zur Kornmühle "Der Normanne", Westkapelle     Top

Baujahr: 1852
Kauf durch die Gemeinde Westkapelle: 1974
Restaurierung: 1983 bis 1987
Kosten der
Restaurierung: 247.000,- Gulden, (ca. 112.083, - Euro)

Eigentümer:

1852 - 1894: N. Verhulst
1894 - 1912: H.P. Minderhoud
1912 - 1913: Wed. J.P. Waeijhaert
1913 - 1947: J. Roelse
1947 - 1974: K. Roelse
1974 - 1997: die Stadt Westkapelle,
1997 - heute : nach der Gemeindereform von 1997 die Gemeinde Veere


Müller:  G.P.C. Gabrielse

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Kleine Windmühlenkunde - Mühlentypen     Top
 
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Der älteste Windmühlentyp in Europa ist die Bockwindmühle
Bei diesem Typ Mühle ist das ganze Gebäude samt seinen teilweise schweren Maschinen drehbar auf einem Bock gelagert. Dieser stützt den senkrecht stehenden, meist rund ausgeführten Mühl- oder Hausbaum, der bis in die Mitte des Mühlengebäudes ragt und auf dessen oberem Ende der quer verlaufende vierkantige Mehlbalken, auch Hammer genannt, drehbar gelagert ist.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde in den Niederlanden die Holländerwindmühle, auch Kappenwindmühle genannt, erfunden. Zumeist ist dieser Typ ein achteckiger (bis zwölfeckiger) hölzerner Bau auf einem soliden Fundament, bei dem nur die obere Kappe manuell mit einem Steert (ein Balkensystem am Haubenende zum Vordrehen der Kappe) oder windgetrieben durch eine Windrose (Mechanik mit Hilfsflügeln) drehbar ist. Durch die hoch gelegte Drehebene konnte das ganze Gebäude größer und stabiler ausgelegt werden. Damit waren auch größere Flügelkreuze möglich und somit eine wesentlich höhere Leistung (bis zu 30 KW).

Ebenerdig gebaute Holländermühlen heißen Erdholländermühlen (Erdholländer). Im  Niederländischen heißen sie grondzeiler (dt. Grundsegler), da die Flügel fast bis auf den Boden reichen. Solche Mühlen stehen in Gebieten, in denen es keine Windhindernisse gibt, z.B. an der holländischen Küste und in Ostfriesland. 

Da sehr große Holländerwindmühlen gebaut wurden, war es nicht mehr möglich, die Flügel bzw. den Steert zu erreichen. Deshalb wurde eine Art Balkon, eine umlaufende Galerie (ndl. stelling), um die Mühle angebracht, von der sowohl die Flügel als auch der Steert bedient werden konnten. Diese Typen werden als Galerieholländer (ndl. stelling molen) bezeichnet. 

Holländerwindmühlen leiten ihre Energie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, mittels einer Königswelle in das Gebäude. Dazu sind die Flügel über die Flügelwelle bis hin zur senkrecht durch das Gebäude laufenden Königswelle eine Einheit und direkt über Getrieberäder verbunden. Dies kann im normal laufenden Betrieb nicht getrennt werden, so dass bei drehenden Flügeln die Energie im Gebäude von der drehenden Königswelle abgenommen und auf die angeschlossenen Maschinen verteilt werden kann. Die Holländerwindmühle verbreitete sich in Nordeuropa sehr stark. Lediglich die hohen Baukosten beeinträchtigten ihre Verbreitung. 

Weiterführende Informationen zu Windmühlen erhalten Sie in der Wikipedia.

Die Korenmole "De Noorman" finden Sie auch in der Datenbank der niederländischen Mühlen. Der Text deckt sich weitgehend mit dem des Flyers, den man auch in der Mühle erhält und den auch der Autor dieser Seite mit verwendet hat.

   
Alle Fotos dieser Seite in höherer Auflösung auch im großen Fotospecial zur Mühle De Noorman und zur Geschichte der Mühlen von Westkapelle.
 
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Quellen:
Flyer des Museums Korenmolen "De Noorman" Westkapelle, 2008
Deutsche und niederländische Artikel der Wikipedia zu Windmühlen, 2010
Historische Fotos: Polderhuismuseum
Farbfotos:             eigene Aufnahmen des Autors 2001 bis 2008, Innenaufnahmen der Mühle teilweise mit 8 und 16mm Fishye-Objektiv

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