Home

Ebbe und Flut, NAP und LAT
Eine kleine Fachkunde der Gezeiten

 

Ebbe und Flut?? "Das haben wir doch alle in der Schule gelernt", werden die einen oder anderen sagen. Aber wissen Sie wirklich noch, wie die Zusammenhänge  sind?
Wenn Sie Ihr Wissen aufrischen wollen, lesen Sie diesen Abschnitt:

Ebbe und Flut - Wie kommt es zu den  Gezeiten?

Wenn Sie in einem Gezeitenkalender auf einen Termin für HW oder LW  (Flut oder Ebbe) klicken, erhalten Sie auch die Angabe über die erwartete Höhe des Wasserstandes in cm.
Das sieht z.B. so aus:

Beschreibung Westkapelle: High Water 05:25 185 cm NAP High Water 17:41 166 cm NAP Low Water 11:45 -134 cm NAP

Was verbirgt sich hinter "NAP"?  Und was ist LAT und SKN?  Wenn Sie mehr über Pegel in Niederlande, Deutschland und Europa erfahren wollen, lesen Sie den Abschnitt:

NAP und LAT - Was ist das?

Ebbe und Flut - Wie kommt es zu den  Gezeiten?       Top

Eine anschauliche Erklärung findet man z.B. auf den Webseiten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Auf dieser Seite des BSH finden Sie eine  gut illustrierten  Erläuterung zur Entstehung der Gezeiten.
Kurze Zusammenfassung: Die Gezeiten werden im wesentlichen vom Mond bestimmt. Die Sonne verstärkt und verringert die Wirkung des Mondes auf die Gezeiten. Die von Sonne und Mond erzeugten Gezeitenhöhen müssen addiert werden, um die tatsächliche Höhe der Gezeit zu erhalten. Wenn Sonne, Erde, Mond auf einer Geraden liegen, d.h. bei Neu- und bei Vollmond, wirken Mond und Sonne gleichsinnig und so entstehen besonders starke Gezeiten (Springtiden).
NAP und LAT - Was ist das?        Top

NAP ist die Abkürzung für "Normaal Amsterdams Peil", engl. "Normal Amsterdam Water Level", deutsch:  Amsterdamer Pegel (Normal Null, Abkz.: NN)

Erklärung:

Die Höhe eines Ortes ist im allgemeinen im Bezug auf ein Normniveau angegeben. In den Niederlanden ist dieses Normniveau in der Hauptstadt Amsterdam festgelegt. Das Muziektheater, die Konzerthalle der Stadt, behaust eine Säule mit einem speziellen Bolzen.  Die Spitze des Bolzens gibt die Lage der Nullhöhe in den Niederlanden an, an denen sämtliche Höhenlagen gemessen werden. Diese Nullmarke nennt man Normal Amsterdam Water Level,  kurz NAP. Die Höhe von Orten in den Niederlanden wird immer in Relation zum NAP angegeben. Wenn also eine Stadt 3 Meter unter der Spitze des Bolzens im Muziektheater von Amsterdam liegt, sagt man: Die Stadt liegt 3 Meter unter NAP. Der Bolzen in Amsterdam ist nicht der einzige, an dem der N.A.P. festegelegt wird. An mehreren Orten wurden Messgeräte installiert. Der einzig wirklich verlässliche Messpunkt ist die am Veulwe, einem Naturschutzgebiet in der Mitte des Landes. Der Grund und Boden um Amsterdam fällt nämlich 2 cm pro Jahrhundert, damit würde auch die Nullhöhe sinken. Da der N.A.P. aber eine Fixgröße sein soll, ist dies nicht zulässig. Die Logik diktiert, dass der Veulwe-Stand neuer Standard wird. Doch da die Anwohner Amsterdams einmal auf die Idee kamen (1683), ihren Stand als Standard festzulegen, wird sich daran wenig ändern.

Geschichte des NAP                  Top

Vor drei Jahrhunderten führte der Magistrat von Amsterdam einen standardisierten Pegel ein, welcher der durchschnittlichen Hochwasserlinie der Zuiderzee entsprach. Im Jahre 1818 wurde dieser Amsterdamer Pegel als Standard für das ganze Land festgelegt. Alle Höhenvermessungen in den Niederlanden gehen von diesem Pegel aus. Er wurde als Bezugspunkt auch von verschiedenen Nachbarländern übernommen. So bezog z.B. die Preussische Landesaufnahme 1877/1878 ihre Höhenvermessung auf den Amsterdamer Pegel.  Am 22.März 1879 wurde dann an der Berliner Sternwarte eine Tafel angebracht mit einer Nullmarke 37 Meter über Normal - Null, eine andere Bezeichnung für Amsterdams Peil.  Und über die Europäische wissenschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen eines Vergleichs der Höhenvermessungen der beteiligten Länder nahm die Bedeutung des Amsterdamer Pegels noch zu. Der Bolzen aus Bronze, auf einen ca. 20 Meter in die Tiefe reichenden Betonpfahl montiert, ist die exakte Nullmarke. Wenn man die Treppe im Stadthuis hinuntergeht, kann man den Bolzen berühren und steht dann unterhalb des Meeresspiegels.

Aktuelles zu Pegeln und Nullwerten in Deutschland und Eurorpa    Top

Informationen über Pegel, Begriffe und Definitionen erhält man in Deutschland vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Auf der Webseite des BSH findet sich auch eine sehr gute und umfassende Erklärung wichtiger Begriffe zu den Gezeiten und den Pegeln.  Nachfolgend Passagen, die die Beziehung  zwischen dem NAP,  dem LAT und dem SKN,  d.h. dem Seekartennull beschreiben. Doch zunächst für alle "Landratten", das Normalnull:

Normalnull (NN)   Top

Die Angaben der Landkarten über die Höhen der Bodenerhebungen sind auf eine überall waagerecht verlaufende Fläche, eine sog. Niveaufläche, bezogen. In den verschiedenen Staaten sind diese Nullflächen zwar im allgemeinen nicht genau in der gleichen Höhe festgesetzt, doch weicht eine solche Nullfläche gewöhnlich nur wenig vom mittleren Wasserstand an der Küste des betreffenden Staates ab; eine Ausnahme bildet z.B. Belgien, wo die Nullfläche erheblich tiefer liegt. Die Fläche des mittleren Wasserstandes verläuft entlang der Küste im allgemeinen nicht genau waagerecht.  In Deutschland sind die Höhenangaben der Landesvermessung auf das sog. Normalnull (NN) bezogen, dessen Lage durch eine Anzahl Höhenfestpunkte in der Nähe von Potsdam festgesetzt ist. An der deutschen Nordseeküste weicht das Normalnull nur um geringe Beträge vom mittleren Wasserstand ab.

Seekartennull (SKN)   Top

Anders als die Landkarten verzeichnen die Seekarten von Gezeitengebieten nicht etwa den Abstand des Grundes von einer Niveaufläche oder der Fläche des mittleren Wasserstandes, sondern sie geben die Wassertiefen an, die bei einem besonders niedrigen Niedrigwasser noch verbleiben. Je größer der mittlere Tidenhub an einem Ort ist, um so tiefer liegt dieses Niedrigwasser unterhalb des mittleren Wasserstandes oder unterhalb des Landesvermessungsnulls an der Küste, z.B. bei Wilhelmshaven rund 2,7 m, bei Cuxhaven rund 2,1 m, bei List rund 1,5 m. Dieses besondere Niedrigwasser, auf das die Tiefenangaben der Seekarten bezogen sind, wird als Seekartennull (SKN) bezeichnet und ist im allgemeinen von Staat zu Staat verschieden ausgewählt. Die deutschen Seekarten von ausländischen Gewässern übernehmen jedoch das dort eingeführte Seekartennull, und in den übrigen Staaten wird bei der Herausgabe der Seekarten fast ausnahmslos in der gleichen Weise verfahren, so dass also deutsche und fremde Karten für das gleiche Gebiet auch die gleichen Tiefen angeben. Da die Genauigkeit der Lotungen mit wachsender Tiefe abnimmt, werden größere Wassertiefen nicht mehr auf ein Seekartennull bezogen; dieses spielt also nur im Bereich der Küsten eine Rolle. Je tiefer das Seekartennull an einem Ort festgesetzt ist, um so seltener fällt das Wasser unter das Seekartennull. Da bei den Festsetzungen des Seekartennulls jedoch nur die astronomischen Ursachen der Gezeiten berücksichtigt werden, muss besonders in solchen Gebieten, wo auch die meteorologischen Umstände starken Einfluss auf die Wasserstände haben, stets mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass einzelne Niedrigwasser tiefer eintreten als das Seekartennull.

Seekartennull in den Niederlande   Top

Seekartennull an der Küste ist gleich dem örtlichen sog. mittleren niedrigeren Springniedrigwasser (gemiddeld laaglaagwaterspring, LLWS), das als mehrjähriges Mittel aus den jeweils niedrigsten Springniedrigwassern der einzelnen Monate berechnet ist. Diese Festsetzung gilt auch für die Wester und Ooster Schelde. Auf dem Nieuwe Rotterdamsche Waterweg beginnt an der Mündung ein als OLW (overeengekomen lage waterstand) bezeichnetes Seekartennull, das mit dem LLWS bei Hoek van Holland übereinstimmt und den allmählichen Übergang bildet zu dem OLR (overeengekomen lage rivierstand) im weiter oberhalb gelegenen Teil von Lek und Waal; dieser OLR wird durchschnittlich nur an etwa zwanzig Tagen im Jahr unterschritten.

Für die Umrechnung LAT und LLWS zu NAP gilt:   LLWS=NAP - 205 cm     LAT=NAP - 220 cm 

LAT statt SKN    Top

Ab 2005 entspricht das neue Seekartennull (SKN ) dem Niveau des niedrigstmöglichen Gezeitenwasserstands (Lowest Astronomical Tide, LAT). Der LAT soll die einheitliche Grundlage für Seekarten der europäischen Länder werden.

Aus dieser PDF des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen  können Sie Details zur Einführung des LAT  entnehmen.

Top

Copyright Horst Lisowski Bonn 2008

disclaimer